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Das allerletzte Heimspiel

Phoenix Halle

Samstagabend wird es zwei Abschiede geben, mit dem lachenden und mit dem weinenden Auge: die kostspielige Ausweichhalle an der Färberstraße wird nach dem letzten BBL-Heimspiel gegen Ludwigsburg zurück an den Fitness-Vermieter gegeben. Für den mentalen Rettungsring gab es vorher noch eine Boxing Session. Bis dahin 5 Siege aus 16 Spielen bei nur zweimal ausverkauft (bzw. überfüllt) lassen spekulieren, ob das in der Ischelandhalle sportlich wie zuschauermäßig nicht besser geklappt hätte. Jedenfalls haben hier auch die Harlem Globetrotters gespielt. Vor dem großen Respekt für den Mammutumbau vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer war die Organisation in Hohenlimburg in aller Enge echtes Teamwork, die „Phönix“-Pendelbusse wurden genutzt wie die Tankstelle vor der Einfahrt, Abendkasse wie Einlaß waren freundlich wie geschmeidig und die Getränkestände luden zum Verweilen im Innenhof ein. Nur die zwei Toilettencontainer und der zu geringe Steilgrad von den Zuchauerrängen lassen dann doch auf die langersehnte Rückkehr in die endlich renovierte Ische freuen – hoffentlich doch noch in der BBL, nachdem die Lizenz 2010/11 schon geritzt ist. Zu den Heimsiegen gegen Ulm, Düsseldorf, Trier, Braunschweig und Giessen kann gern noch die letzte Zugabe gegen Ludwigsburg (Tipoff 20 Uhr) kommen, die ihrerseits um letzte Playoff-Chancen kämpfen. Und wer die Vorort-Halle dann vermisst, kann sich das Panorama noch mal reinziehen.

„Es ist nicht so einfach, aber das wussten wir ja.”
(Phoenix-Geschäftsführer Herkelmann vor dem Hallenumbau 2009)

BBL-Aufsteiger Matthias Grothe

Diese Rückblicke wird auch Matthias Grothe haben, ganz besonders bis ins Jahr 2004, als aus der Konkursmasse von Brandt Hagen und der sportlichen Nähe von BG Hagen das kollektivere Zukunftsprojekt Phoenix Hagen entstand. Daß es damals überhaupt weiterging und mit dem recht fixen Wiederaufstieg in die Basketball-Bundesliga endete, ist eines der Sportmärchen, die nicht vielen widerfahren – außer im Film. Nicht jeder trainiert seinen Körper von 153 kg auf 110 hinunter und trifft im Spielverlauf ungemein effektive Dreipunktwürfe: Matze halt. Westfälisch bescheiden blieb seine Einsatzzeit von einem gut gezogenen Pils (135 Bundesliga-Minuten in 19 Spielen) mit 7 Dreiern aus 33 Punkten und 15 Rebounds. Aber zwischen 1998 und 2002 erreichte der Zweimetermann mit der damaligen 12 in 116 Spielen gleich dreimal die deutschen Playoffs bis ins Viertelfinale mit Brandt Hagen.
Eigentlich fehlen der Basketballstadt Hagen mehr würdige Memorabilia an ihre tolle Tradition. Was in den Jahrzehnten an Geschichte bei SSV, TSV und Brandt geschaffen wurde – und leider kaum mehr in Archiven aufzufinden ist und öffentlich gemacht wurde, wie es sein müsste – sollte bei Phoenix langfristig gepflegt werden. Wenn Kapitän Matthias Grothe kurz vor seinem 32. Geburtstag die aktiven Basketballstiefel an den Nagel hängt, sollte überlegt werden, ob sein Trikot mit der Nummer 9 nicht unter der neuen Hallendecke am Ischeland prangen sollte. Gefeiert retired quasi. Schon jetzt macht er als Jugend-Coach weiter, vielleicht bloggt er noch mal, aber diese Spielerkarriere macht ihm so schnell kein deutscher Basketballer nach. Und die Korbanlagen sind auch wieder sicher vor ihm. Eine weitere Hagener Legende geht. Danke, Matze ;)

Letztes Wort zum Film-Aufstieg in Hangtime:
„So eine Chance kriegst du nie wieder. Das ist Gold wert für Verein und Stadt.” Nur eins wäre anders, wenn Phoenix auch real den Aufstieg feiern könnte. „Dann wüsste ich, dass in den Flaschen keine Apfelschorle, sondern richtiges Bier”, sagt „Ha-Hu”: „Dafür müssten wir aber auch selber nachher saubermachen.”

HaHu Grothe

Fotos: Michael Kleinrensing/wp/derwesten

Strohdoofe Ostern…

Turek gegen Oldenburg

Phoenix scheint seine Mythologie in der BBL einzuholen: während am Samstag die Osterfeuer abflammten und das Team sich beim starken Auftritt in Göttingen nicht belohnen konnte, lodert das Abstiegsfeuer nach dem 64-73 gegen Oldenburg weiter.
Die Ostereier wurden gut versteckt, der nordisch unterkühlte Meister, der sich beim Derby im Artland mit 52-66 blamiert hatte, fraß sie dankend auf. Unsere nächste Auswärtsstation Trier legte vor gegen Ulm: 89-74.

Die Kellerlage vor dem 31. Spieltag:
Giessen 9-21
Trier 9-21
Düsseldorf 8-22
Hagen 7-23
Paderborn 5-24

Die den 2500er Zuschauerschnitt bestätigende Färberhalle wechselte im vorletzten Heimspiel in Hohenlimburg von Loserlaune zu Siegerlaune und zurück, um dann die neuen Klatschpappen in die Ecke zu dreschen, während die Gästefans von stummen Fischen zu arroganten Siegermöwen mutierten.
Fast bis zum Ende das bessere Team – 24-12-Start und 1438 Sekunden lang in Führung (sowas gehört nun mal nachgerechnet) – mit Kampfstärke, lange nicht mehr gesehenem klugem Setplay und einem unaufhaltsamem Turek, der sich mit 28 Punkten zum Phoenix-Topscorer der Saison (bis dahin Chase Griffin mit 27) warf und sein drittes Double Double holte.
Davon konnte das Team (22-63-Wurfbilanz) nicht profitieren: Jordan (10 Pts) traf nur einen von acht Dreiern, wobei Griffin mehr den Spielaufbau (6 Assists) bemühte. Für den rückengezerrten Kale half Jonusas bei den Rebounds (10) aus, der foulmeckernde Kruel wurde seinem wknD Top Ten-Platz nicht gerecht. Nota bene: Schiri-Bonus (zum Feiertag mit Schiedsrichterin) für Gegner-Center ist quasi BBL-Geheimregel. So hatten die „Deutschen Meister“ eine 43-31-Hoheit.
Wegen „disziplinarischer Massnahmen“ in Sachen Trainingsleistung wurde Q Pryor leider zum falschen Zeitpunkt von Coach Freyer bestraft, der die Abendrealität anders sah:

Glückwunsch an Oldenburg, sie haben verdient gewonnen.
Wir haben über drei Viertel unseren Gameplan umgesetzt.
Es war heute keine Kraftsache, sondern eher Kopfsache.

Insgesamt hatten wir in dieser Saison eine Handvoll Heimspiele (Paderborn, MBC, Bremerhaven, Bonn und Oldenburg), die wir hätten gewinnen müssen. Auch ohne schönredenden Konjunktiv.
Nahdistanz (42 %) und Dreier (20 %, mit 31.2 % Ligaletzte) – bei sinnlos luschiger Wurftechnik – bleiben unser Problem, bei den sonst notorischen Turnovern lagen wir bei 8-14 besser als der Meister, aber einige davon waren kopflos wie spielentscheidend und Gästegeschenke. Dann im bitteren Schlussviertel (10-23) gleich zwei Dreier versemmelt und gekellt worden – das schlechte Ende vom guten Anfang.
Aber: wenn wir absteigen, wiederholt Oldenburg seine Meisterschaft nicht. In einem spielschwachen Team mit Fitnessdomina zeigte nur Paulding (21 Pts, 6 Rbs) Ligalorbeeren, Scekic foulte sich in nicht mal 14 Minuten aus, Boumtje Boumtje musste nur die runterfallenden Defensivrebounds (12) auffangen, MVP Gardner spielte gegen eine erneute Ehrung. Und so spielt man um die Tabellenführung… Topteam-Effektivität?

In Bayreuth wurde Geschichte gemacht: während die Giants Nördlingen in der Oberfrankenhalle noch im April 2008 den BBL-Aufstieg feierten, besiegelte das 53-97 den freien Fall in die Pro B. Unsere Vorjahresrivalen BBC Bayreuth, bei dem Uns Adam Baumann seine Karriere beendete, bejubelten damit die vorzeitige BBL-Rückkehr. Herzlichen Glückwunsch, hoffentlich sehen wir uns in der kommenden Saison wieder…
Den zweiten Platz umkämpfen Cuxhaven, Saar-Pfalz (Ex-Kaiserslautern) Braves und Karlsruhe.

BBL-Aufsteiger 2010/11 BBC Bayreuth
Back for good auch in Bayreuth

Indianapolis und 70930 Fans erlebten fast die NCAA-Sensation: die Butler Bulldogs um Starspieler Gordon Hayward (sein Buzzerdreier traf nur Brett und Ring) verloren knapp mit 59-61 ihre erste Championship gegen die Duke Blue Devils um Jon Scheyer, die das zum vierten Mal schafften. Coach K’s Dream Team-Generalprobe für die WM in der Türkei ist geglückt.

Damit bekam ein 25 Siege rekordendes Basketballmärchen kein Happy End. Wie das Big Business NBA wird auch der volkstümliche College-Sport knallhart verwirtschaftet. Üblicherweise kommen nur die großen Universitäten in die Endrunde der Final Four: bessere Trainingsmöglichkeiten als die Profiliga und Budgets (Duke hat 14 Mio. $), die das Bruttosozialprodukt in Dritte-Welt-Ländern decken könnten.
Aber das dunkelblaue Team der mit 4200 Studierenden viertkleinsten Final Four-Uni aller Zeiten hat „Old School“-Werte serviert und renaturisiert mit einem Underdog-Teamspirit aus einer 82jährigen Großraumturnhalle. Hoffnung also für „kleine“ Basketballteams, die groß werden wollen…

Psychisch helfen tun die Butler-Erkenntnisse:

Heart, not size or status, is what matters most.

We do have something bigger than basketball.
This will only take us so far, and we have a lifetime to enjoy it.

(aus dem Review zu Butler-Duke)

Fotos: Phoenix Hagen/Jörg Laube & BBC Bayreuth/Christian Haberkorn

Easternanza: Eierlaufen um ungelegte Eier

Basketball Ostern

Phrohe Ostern an alle Leserinnen und Leser!

Am heutigen Ostermontag holt Phoenix Hagen endlich das Heimspiel gegen den amtierenden Deutschen Meister und Realtabellenführer (21 Siege und 7 Niederlagen, davon 6 auswärts!) Baskets Oldenburg nach. Derweil hat sich im Abstiegskampf vieles verschärft. Traditionsclub Giessen scheint nach den Heimsiegen gegen Trier und Tübingen fast gerettet und verlor beim Meister nur 48-58.
Nach dem wichtigen zweiten Auswärtssieg in Düsseldorf plante die Phoenix-Euphorie schon Richtung Mayday in Paderborn und prompt revanchierten sich die Giants mit einem 66-64 in Frankfurt. Das Heimspiel gegen die Berliner Eurocup-Helden ging auch erst im Schlussviertel mit 73-79 verloren, so daß das Spiel in Ludwigsburg am 14.04. die Gnad-Truppe weiter von den Abstiegsrängen bringen könnte.
Ins Abstiegsvisier werden nun die Trierer vom Schwarzen Tor genommen, die mit einer L11-Serie (8-21) heute um 17 Uhr die klassenerhaltenden Ulmer (11-18) empfangen. Am 23. April wird Phoenix zum möglichen nächsten Abstiegsendspiel ans Porta Nigra reisen. Siegersekt oder Gerolsteiner Sprudel also.
Vor dem Saisonende aber muß die Phoenix-Phamilie auf sich selbst schauen und in allen 40 Minuten versuchen, das Unmögliche wahr zu machen. Die Fahrt zum Top Four-Pokalwunder nach Göttingen wäre fast sensationell geendet, wenn zwei vergebene Dreier und fast typisch gewordene Turnover (22, insgesamt 461) das Team mit dem 69-76 nicht um einen weiteren Siegeslohn gebracht hätten.
Eine Turnover-Therapie (461 Klöpse) gerade für die Center ginge so: an freie Positionen rochieren, mögliche Fehlpässe vorhersehen, unnötige Dribblings vermeiden und ruhig Blut wie beim Eierlauf :?
Sonst könnten Freyer & Wriedt das hier in die Umkleidekabine heften: http://www.coachesclipboard.net/BasketballTurnovers.html

Oder kurz gesagt:

The three „looks“ – look and see the floor, look before passing, and look before dribbling.

und

There is a fine line between playing „on the edge“ (under control) and „out of control“.

Hinspiel Oldenburg - Hagen

Foto: Ulf Duda

Das Osterfest endet mit dem NCAA-Finale in Indianapolis (ab 03:00 Uhr hier): Local Heroes Butler Bulldogs kämpfen gegen die Duke Blue Devils.

March Madness – Final Four – April 5

NCAA Final Four 2010

Die NBA pendelt allmählich in die Playoffs, da können sich die längst qualifizierten Champions Lakers (54-21, West 1) 47 Punkte und 9 Turnover von Kobe gegen Thunder – die statt der Rockets oder Hornets dabei sind – erlauben und die Ex-Champions Celtics (47-27, East 4) eine blamable Heimniederlage gegen die Nieten der Nets. Die werden Allerletzter im Osten, mit 10-65 am Negativrekord der Sixers vorbeigeschrammt, während die Cavs mit King James und Shaq Attack bei 60-16 und einer 34-4 Heimmacht schon als Champion-Nachfolger gelten, zum ersten Mal in ihrer Geschichte. In zwei Wochen endet die Regular Season, die Standings verraten mögliche Erstrundenpartien und Wegprognosen.
Statt Playoff heißt es in der NCAA K.O. oder im Volksmund „March Madness“. Nicht nur die Stimmung bei College-Spielen ist viel besser, wenn die Studierenden hinter den Körben ihre Teams kreativ und fanatisch anfeuern. Spannung ist garantiert vor dem hüpfenden Highlight aller 65 Uni-Teams und ihren möglichen zukünftigen NBA-Stars: das Final Four am NCAA-Hauptsitz Indianapolis. Das riesige Lucas Oil Stadium der NFL-Colts – in diesem Jahr überraschend nur Super-Bowl-Vize gegen die New Orleans Saints – wird dieses Turnier hosten. Die Halbfinals am Ostersamstag und das Finale am Ostermontag vor 71300 Fans, schon die Trainings sahen an die 45000. Basketball Crazy Indiana.

msu v butler
duke v wvu

Wer wird Nachfolger der North Carolina Tar Heels?
Kansas sind die großen Verlierer 2010. Die hohen Favoriten Kansas Jayhawks wurden schon in der ersten Runde von den Northern Iowa Panthers gefressen, die Kansas State Wildcats erwischte es im West-Finale gegen die Butler Bulldogs. Die Local Underdogs, nur 6 Meilen vom Finalort im durch den Kultfilm Hoosiers bekannten legendären Hinkle Fieldhouse beheimatet, spielen ab 00:00 Uhr unserer Zeit gegen die auch an Nummer 5 gesetzten Vorjahres-Vize Michigan State Spartans (1979 und 2000 NCAA-Champions) um den ersten Finalplatz. Die gewannen das Midwest Final knapp per Freiwurf zum 70-69 gegen die Tennessee Volunteers und sind zum 6. Mal in 12 Jahren dabei.
Gegen 03:00 Uhr in der Nacht dann werden sich die notorischen Duke Blue Devils von der 606 Meilen entfernten Ostküste (NCAA-Champions 1991, 1992, 2001 aus 15 Final Fours) – zugleich die letzte Generalprobe von Dream Team Coach Mike Krzyzewski vor der WM 2010 in der Türkei – mit den West Virginia Mountaineers messen, die seit einem halben Jahrhundert (1959) die erste Final Four-Teilnahme feiern. Im East Final wurden die 7maligen Champions – nur UCLA gewann mit 11 Titeln mehr – und Publikumsmagnet (im Schnitt 22239 Fans) Kentucky Wildcats gezähmt.
Es könnte also historisch werden im ersten Finalturnier, das in einem sonst viel populäreren Football-Stadion stattfindet. Gut für den Basketball, immer noch dritte Sportart nach Pille und Puck in den Staaten.
In den Halbfinals werden harte Rebound Battles erwartet mit den einen oder anderen Dreierserien, Monsterblocks und Slam Dunks. Ansonsten viel Taktik auf höchstem Jugendbasketball-Niveau, frisch und hungrig noch ohne Millionengehälter. Im Finale wäre ein Devils-Sieg normal – die landesweiten College-Fans würden es den Bulldogs gönnen. Mag das Motto auch „The Road Ends Here“ lauten, der Weg mancher Studentenspieler könnte in die NBA führen, oder nach Europa und in die BBL…

Mehr auf der NCAA-Homepage – natürlich mit Spielen in voller Länge, hier direkt im Stream. Oder Hintergrundberichte bei CBS Sports und Indystar.

NCAA Final Four Indianapolis

Doozers meet Ische 3030

„Jajaja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt…“
Pünktlich zur sportlichen Machbarkeit Basketball-Bundesliga 2010/11 haben die baubeseelten Doozers mit der Ische-Restauration begonnen. Hoffentlich steht das neue Schmuckkästchen genauso pünktlich bis zur Deadline Halloween.
Aber wer die Injoy-Halle schafft, schafft es überall. Wenn es dazu noch sportlich klappt. Wenigstens den heiligen altehrwürdigen Parkettboden lassen sie drin :)

Ische vor der Halle
Ische Bauschild
Ische hinter der Halle
Ische Seitenstück
Ische Feld-Gerüst
Fotos: Jörg Laube/Phoenix Hagen