Strohdoofe Ostern…

Turek gegen Oldenburg

Phoenix scheint seine Mythologie in der BBL einzuholen: während am Samstag die Osterfeuer abflammten und das Team sich beim starken Auftritt in Göttingen nicht belohnen konnte, lodert das Abstiegsfeuer nach dem 64-73 gegen Oldenburg weiter.
Die Ostereier wurden gut versteckt, der nordisch unterkühlte Meister, der sich beim Derby im Artland mit 52-66 blamiert hatte, fraß sie dankend auf. Unsere nächste Auswärtsstation Trier legte vor gegen Ulm: 89-74.

Die Kellerlage vor dem 31. Spieltag:
Giessen 9-21
Trier 9-21
Düsseldorf 8-22
Hagen 7-23
Paderborn 5-24

Die den 2500er Zuschauerschnitt bestätigende Färberhalle wechselte im vorletzten Heimspiel in Hohenlimburg von Loserlaune zu Siegerlaune und zurück, um dann die neuen Klatschpappen in die Ecke zu dreschen, während die Gästefans von stummen Fischen zu arroganten Siegermöwen mutierten.
Fast bis zum Ende das bessere Team – 24-12-Start und 1438 Sekunden lang in Führung (sowas gehört nun mal nachgerechnet) – mit Kampfstärke, lange nicht mehr gesehenem klugem Setplay und einem unaufhaltsamem Turek, der sich mit 28 Punkten zum Phoenix-Topscorer der Saison (bis dahin Chase Griffin mit 27) warf und sein drittes Double Double holte.
Davon konnte das Team (22-63-Wurfbilanz) nicht profitieren: Jordan (10 Pts) traf nur einen von acht Dreiern, wobei Griffin mehr den Spielaufbau (6 Assists) bemühte. Für den rückengezerrten Kale half Jonusas bei den Rebounds (10) aus, der foulmeckernde Kruel wurde seinem wknD Top Ten-Platz nicht gerecht. Nota bene: Schiri-Bonus (zum Feiertag mit Schiedsrichterin) für Gegner-Center ist quasi BBL-Geheimregel. So hatten die „Deutschen Meister“ eine 43-31-Hoheit.
Wegen „disziplinarischer Massnahmen“ in Sachen Trainingsleistung wurde Q Pryor leider zum falschen Zeitpunkt von Coach Freyer bestraft, der die Abendrealität anders sah:

Glückwunsch an Oldenburg, sie haben verdient gewonnen.
Wir haben über drei Viertel unseren Gameplan umgesetzt.
Es war heute keine Kraftsache, sondern eher Kopfsache.

Insgesamt hatten wir in dieser Saison eine Handvoll Heimspiele (Paderborn, MBC, Bremerhaven, Bonn und Oldenburg), die wir hätten gewinnen müssen. Auch ohne schönredenden Konjunktiv.
Nahdistanz (42 %) und Dreier (20 %, mit 31.2 % Ligaletzte) – bei sinnlos luschiger Wurftechnik – bleiben unser Problem, bei den sonst notorischen Turnovern lagen wir bei 8-14 besser als der Meister, aber einige davon waren kopflos wie spielentscheidend und Gästegeschenke. Dann im bitteren Schlussviertel (10-23) gleich zwei Dreier versemmelt und gekellt worden – das schlechte Ende vom guten Anfang.
Aber: wenn wir absteigen, wiederholt Oldenburg seine Meisterschaft nicht. In einem spielschwachen Team mit Fitnessdomina zeigte nur Paulding (21 Pts, 6 Rbs) Ligalorbeeren, Scekic foulte sich in nicht mal 14 Minuten aus, Boumtje Boumtje musste nur die runterfallenden Defensivrebounds (12) auffangen, MVP Gardner spielte gegen eine erneute Ehrung. Und so spielt man um die Tabellenführung… Topteam-Effektivität?

In Bayreuth wurde Geschichte gemacht: während die Giants Nördlingen in der Oberfrankenhalle noch im April 2008 den BBL-Aufstieg feierten, besiegelte das 53-97 den freien Fall in die Pro B. Unsere Vorjahresrivalen BBC Bayreuth, bei dem Uns Adam Baumann seine Karriere beendete, bejubelten damit die vorzeitige BBL-Rückkehr. Herzlichen Glückwunsch, hoffentlich sehen wir uns in der kommenden Saison wieder…
Den zweiten Platz umkämpfen Cuxhaven, Saar-Pfalz (Ex-Kaiserslautern) Braves und Karlsruhe.

BBL-Aufsteiger 2010/11 BBC Bayreuth
Back for good auch in Bayreuth

Indianapolis und 70930 Fans erlebten fast die NCAA-Sensation: die Butler Bulldogs um Starspieler Gordon Hayward (sein Buzzerdreier traf nur Brett und Ring) verloren knapp mit 59-61 ihre erste Championship gegen die Duke Blue Devils um Jon Scheyer, die das zum vierten Mal schafften. Coach K’s Dream Team-Generalprobe für die WM in der Türkei ist geglückt.

Damit bekam ein 25 Siege rekordendes Basketballmärchen kein Happy End. Wie das Big Business NBA wird auch der volkstümliche College-Sport knallhart verwirtschaftet. Üblicherweise kommen nur die großen Universitäten in die Endrunde der Final Four: bessere Trainingsmöglichkeiten als die Profiliga und Budgets (Duke hat 14 Mio. $), die das Bruttosozialprodukt in Dritte-Welt-Ländern decken könnten.
Aber das dunkelblaue Team der mit 4200 Studierenden viertkleinsten Final Four-Uni aller Zeiten hat „Old School“-Werte serviert und renaturisiert mit einem Underdog-Teamspirit aus einer 82jährigen Großraumturnhalle. Hoffnung also für „kleine“ Basketballteams, die groß werden wollen…

Psychisch helfen tun die Butler-Erkenntnisse:

Heart, not size or status, is what matters most.

We do have something bigger than basketball.
This will only take us so far, and we have a lifetime to enjoy it.

(aus dem Review zu Butler-Duke)

Fotos: Phoenix Hagen/Jörg Laube & BBC Bayreuth/Christian Haberkorn


1 Antwort auf „Strohdoofe Ostern…


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