Archiv für November 2009

„Wetten, wir verlieren?“

So dachte man sich wohl telepathisch unisono beim Warmglühen im kalten Nieselregen am Samstagabend. Und dann brach das Phoenix-Team alle Erwartungen nach dem grandiosen letzten Heimsieg gegen Düsseldorf. 90-94 und keiner weiß warum. Viele Fragen bleiben offen, zumal am Spieltag bereits Gerüchte über Wettskandale auch in der BBL kursierten. Hatten wir nun sportlich verloren oder waren höhere Schiebermächte im Spiel? Die Playoffs der letzten Saison und obendrein Halbfinale und/oder Finale stehen im Spekulationsvisier, was nun bald größeren Informationsradius bekommen wird. Bevor die Schuldigen gefunden werden und die verschobenen Spiele aufgedeckt werden, wird der Bundesliga-Basketball eher hinter den regulativen Kulissen Schaden nehmen als daß die Fairness sportlichen Einzug auf dem Parkett erhält. Manchmal umwittern schon normale Saisonspiele größere Verdachtsmomente.

„Schon vor einigen Tagen haben wir bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragt. Denn der gesunde Menschenverstand hat uns gesagt, dass neben dem Fußball auch andere Sportarten betroffen sein könnten.
Die Akteneinsicht wurde jedoch auch uns noch nicht gewährt. Folglich fehlen uns zum Handeln jegliche Anhaltspunkte. Und wir müssen handeln, es wird dringend. Insgesamt ist die Situation bedrückend.“

BBL-Geschäftsführer Jan Pommer

Zu argumentieren wäre es mit dem Schlussviertel beim Spiel gestern zwischen Hagen und Bremerhaven. Phoenix geht mit einem 71-61 in die letzten zehn Minuten und wird von einer seltsamen Energiebremse geplagt, die ein 19-33 und die wütend machende 90-94-Niederlage zum Schweigen verdammte.
War es das typisch desolate zweite Viertel mal in Q4? Persönliche Glühwein-Analysen ergaben während des Spiels sichtbare Vorteile für die Gästecenter Gibbs und Lyde, die durch robuste und regelwidrige Defense auffielen und deren vier Foulpunkte wie eingerastet schienen. Da wurden Turek, Kale und Kruel aus der Zone gehievt, als wären wir im Containerhafen an der Nordsee. Wozu dann das übliche Fangenspielabklatschen in der Schlußphase als Foul pfeifen?!
Klar, ein Spieler wie Lipke ist ein weiterer Glücksfall für die Deutschenquote, wenn er im letzten Viertel 16 Punkte macht oder 18 in nur 11 Minuten. Aber wir waren in diesem Spiel nicht der krasse Aussenseiter, wie es auch die Wettquoten vorhersagten. Wir haben das „beste Heimspiel in 2009″ noch getoppt. Kale, Griffin, Kruel, Fleetwood, Pryor & Co. haben den Abstiegskampf voll begriffen und halten auch gegen die High Society der Liga. Unsere auf logischem Centerspiel aufgebaute Taktik wurde durch letztlich spielkippende, einseitige Entscheidungen der grauschwarzen Pfeifen in der hitzigen Schlußphase ausgehebelt, auch ohne Schlechte-Verlierer-Brille. Die übersieht mal die parallelen Konkurrenzsiege von Giessen gegen Oldenburg und Paderborn gegen Ulm. Beste Saisonform und dennoch auf dem 16.
Aber wegen eines Aufsteigerschicksals kräht kein Hahn mehr nach, wenn die wahre Schieberbande auffliegt. Höchstens in ein par Tagen. Solange freut sich der erste Phoenix-Fan, der den 1000 Euro-Wurf treffen konnte.

Knut-Kaltfront oder heisser 1. Advent nach Thanksgiving

Nun stehen die Mädels wieder mit beiden Händen eine Glühweintasse schlürfend an den beleuchteten Weihnachtsmarktständen, vielleicht lockt es sie am Samstagabend zum beliebtesten Hagener Männersport in die Injoyhalle unterhalb vom märchenhaft illuminierten Hohenlimburger Schloß. Es wird zwar weniger romantisch und nicht der süße Knut, sondern die Eisbären kommen 300 km weit vom BBL-Nordlicht aus Bremerhaven. Mit im Bus haben sie „Mr Effectivity“: # 34 Jeff Gibbs. 19.1 EFF-Punkte machen ihn zum besten Spieler der Liga, nicht nur wegen seiner führenden 64,3 % von der Dreierlinie. Dort listen die Eisbären gleich fünf Spieler unter den Top 20: nach Gibbs (9-14) # 55 Lucas (7-13), # 5 Moss (7-14), # 11 Brooks (3-6) und der einst kiffgesperrte # 21 Buford (mit 17,4 PPG bester Scorer), der gleich 62mal Dreier schoss und 30mal traf. Im Teamschnitt sind das 44, 1 % und BBL-Spitze. Zum Vergleich: in der NBA treffen die besten Cleveland Cavaliers und Phoenix Suns 44,8 %. Man trifft auch deutsh?!
Beim Rebounden griffen die Eisbären 390mal zu, ebenso oberstes BBL-Level. Gibbs‘ Nummernkollege Jonathan Kale ist mit 8.5 nur 0.2 Punkte beim Rebound besser als der gerade mal 1,88 m große, aber mit 110 kg runde 29jährige Ex-Ulmer. Maskottchen Dunky wiegt mit 750 kg etwas mehr. Wir dürfen gespannt auf diese Mischung aus Körpermasse und Antizipation sein und wie Kale, Turek und Kruel das lösen werden. Matze Grothe muss wegen Grippe leider zuschauen.


Gefragter großer Gibbs, kleiner als mancher Kameramann

In der unter dem neuen Punktesystem noch wenig aussagekräftigen Tabelle rangieren die Nordlichter mit 6 Siegen und 5 Niederlagen auf dem 4. Platz, zeigten dabei aber mehr Auswärtsstärke. Neben den Pflichtsiegen in Paderborn und Giessen konnte dabei in Tübingen (97-71) und Bonn (89-78) gewonnen werden – zwei Orte, an denen Phoenix nicht so gerne zurückdenkt. Zuletzt gelang gegen den hoch auftrumpfenden Mitaufsteiger MBC der erst zweite Heimsieg (vorher 89-73 gegen Trier): 75:59 – gegen das bis dahin beste Offensivteam der BBL. Sicher spielte da auch die Assist-Qualität eine Rolle: 195 erfolgreiche Korbvorlagen sind BBL-Topwert, allen voran #13 Campbell mit 6,9 pro Spiel. Der soll aber wegen Wadenverletzung nicht spielen können und von Brooks ersetzt werden.
Nach Ulm (924) bietet Bremerhaven (910) oben drauf noch die treffstärkste Truppe, das waren 82, 7 Punkte in 11 Spielen. Im NBA-Vergleich nach dort 15 Spielen: Phoenix Suns mit 111,40 und Golden State Warriors bei 109,28 Points Per Game. Deutlich mehr gewagt American?!
Summa summarum erwartet uns mit dem Besuch der Macht aus dem Norden ein schwer einschätzbares und fast unschlagbares Teamplay. Wenn da nicht zwei große Truthähne vom Thanksgiving Dinner gewesen wären. Nach dem tollen Kampfsieg gegen Düsseldorf lassen wir Fans jedenfalls den Glühwein nicht kalt werden…

(Foto: Eisbären-Power)

Bester Heimsieg des Jahres?

Gigantische Teamwork, Phoenix! Bester Heimsieg 2009? Dieser Superlativ kommt zwar zeitlich angemessen, aber noch sind in der Injoy-Halle ganze vier Phoenix-Spiele zu erleben. So kampfbetont, willensstark und treffsicher haben wir unsere Blau-Gelben noch nicht gesehen. Ähnliche Hochdramatik wie beim 76-75 gegen Ulm, nur hatte dieses West-Derby vor laufenden WDR-Kameras und dann in Sport aktuell in schlappen fünf Minuten verwurstet, noch den gehörigen Level Live-Power mehr zu bieten. Phoenix und Giants wollten beweisen, daß sie zu unrecht in der unteren Tabellenhälfte stehen. Und nebenbei Werbung machen für den besten Sport der Welt. Das gelang.

Phoenix v Giants - Grothe - Dreesen - WDR

Auch wenn es unter den Körben hart zur Sache ging und besonders Koko Archibong von Hauptschiri Krause körperfeste Spielweise erlaubt bekam – mehrere sichtbare Schubser und Provokationen wie ein Flugtritt gegen Kruel nach Dunking –, waren die Schlüsselmomente an der Dreierlinie. Das berüchtigte zweite Viertel konnte dank „Hanu“ Grothe erneut filmreif offen gehalten werden. In nur 03:10 Minuten drückte Matze konzentrationsstarke Flush-Dreier hintereinander von der selben Position (der dritte hätte fast auch noch gesessen), wendete zweimal die Führung und schon lag Phoenix mit 34-27 vorne, wenn nicht der alte Schlendrian zu einem 0:9 und den 34-36-Halbzeitstand verursacht hätte. Wegen der bislang frühesten Tipoff-Zeit von 15 Uhr kamen nur 2396 Zuschauer, aber die hatten bei frühlingshaftem Herbstwetter beim Innenhofpausenpils trotzdem Heimsieglaune, auch wegen der slammenden Fleetwood-Dunks.

Logisch, konsequent und effektiv wurde über die Center gespielt – 37-34 Rebounds – und 70 % aller Nahdistanzwürfe getroffen, allen voran John Turek mit 9-12. Zusammen mit Bernd Kruel wurde das wie immer stimmungsvollste dritte Viertel – diesmal unterstützt von den dröhnenden Vuvuzelas – zum Bretterkampf: 54-58. Kale und der formschwache McGee bekamen weniger Spielzeit zugunsten eines gewissen Thomas Dreesen. Die Giants waren mit einem Dreier ins Schlussviertel gestartet und die Uhr stand auf -07:43 oder 02:17, als der belgische Nationalspieler, der die meisten Spiele geduldig von der Bank aus verfolgt hatte, seinen großen Moment bekam: der erste Saisondreier! Vom halblinken 6,25-Linienbogen wie Grothe glatt abgezogen zum 59-61, Glückwunsch, Monsieur Drei-sen.

Phoenix v Giants - Archibong - Dreesen

Jonathan Kale und der hundertprozentige Freiwurfschütze Chase Griffin (14 von 14!) brachten die Führung zurück: 69-67 bei -04:36. Als es bei -01:41 76-69 stand, war das Westderby eigentlich entschieden, wenn nicht erneut fragwürdige Schiripfiffe bis 51 Sekunden vor Schluß daraus ein 76-74 gemacht hätten.
An der noch frischen Trefferstelle von Dreesen nahm sich Q Pryor ein Herz und scorte vom gleichen Spot bei -00:32 das erlösende 79-74. Walkers Dreier-Konter war der letzte Gasttreffer, McGee und Griffin schaukelten per Freiwürfe das 85-77 groß umjubelt nach Hause – eine Shakehand-Ehrenrunde folgte. Der WDR hatte einen verdienten Sieger gefilmt und der kommt aus Westfalen, hehe.
Zum Thanksgiving zur besten Samstagabendzeit um 20 Uhr kommen nun die Nordlichter aus Bremerhaven. Den kühlen Eisbären droht die zurückgewonnene feuernde Phoenix-Power…

Phoenix v Giants - Phoenix-Fans

(Fotos: Phoenix Hagen/Jörg Laube)

Ja sind wir im Wald hier…

…wo bleibt unser Heimsieg? Nach fünf Niederlagen in Serie locken nun drei Heimspiele hintereinander im günstigen Herbst Package: Düsseldorf, Bremerhaven, Göttingen.

Zum West-Derby am Samstag schon um 15:00 Uhr (Borussia Dortmund – Mainz 05 18:30) erwartet Phoenix die Düsseldorf Giants, quasi die letzte Macht am Rhein – mit einer gewagten Mischung aus Werbefuzzis, Karneval, Altbier, Pop-Punkrock und Sushi.
Nach dem Konkurs der Köln 99ers hatte auch die Bayer Leverkusen AG kein Interesse mehr am Basketball und entzogen den Rheinchemierecken das Vertrauen. Als auch die altehrwürdige Dopatkahalle unwilliger Gastgeber wurde, ließ Managerurgestein Otto Reintjes im Frühjahr 2008 einen Traditionsverein verschütten und komplett in die NRW-Landeshauptstadt umziehen.
So verbleibt unter dem Bayer-Kreuz nur der Bundesliga-Fußball, während im Dunstkreis der längsten Altbiertheke der Welt mit den DEG Metro Stars Bundesliga-Eishockey und der Fortuna 95 im Zweitliga-Fußball erst noch neue Fanbasis gewonnen werden muss. Bisher kamen 2903 von 3670 möglichen Zuschauern ins Burg-Wächter Castello. Aber nicht nur das einflußreiche Forum Lees Corner und viele Graffiti-Streetballecken zeugen von Basketballatmosphäre zwischen Benrath, Bilk, Flingern und Königsallee. Lustig, daß sogar Capo Amiaz von den 99ers zu den Giants gefunden hat. Ein Hochverrat in der Not.

Sportlich aber stehen die Hellblau-Weißen vor dem 11. Spieltag mit Phoenix auf einem Level. Gießen und Ulm waren die Gegner, die beide Teams besiegen konnten. Der Clou gelang den Giants kurz nach Halloween mit dem 70-69 im Rhein-Derby über Bonn. Auch Bamberg bekam die Heimstärke zu spüren beim knappen 89-87 nach Overtime.
Die Trainer Achim Kuczmann und Hansi Gnad bauen auf Koko Archibong, Brant Bailey (evtl. nicht dabei), Jonathan Cox und Brendan Winters im Giants-Gerüst. Nach der L5-Serie eine wieder machbare Aufgabe für die keineswegs in Zwergenehrfurcht zu erstarrenden Feuervögel.

Und hey: wenn schon das DSF gnadenlos an uns vorbei sendet, hat es der gute alte WDR geschafft, seine Funkwagen an die Färberstraße zu bestellen. Ab 17:20 Uhr soll es Ausschnitte vom Spiel geben plus Wochen nach Kinostart auch was über Hangtime. GEZ or die…

Wie gut, daß es Feuervogel TV gibt.

Mal wieder nachts in die NBA

Da die L5-Serie von Phoenix Hagen nur stumme Herbstmelancholie zulässt (oder eine Ticket-Trotzreaktion mit dem Herbst-Package), lohnt sich eine aktive Nachtwache am Live-Stream der NBA. Mal was anderes, früher pennen zu gehen, per Doppelwecker die Zeitzonen zu überwältigen, sich ab 2 Uhr einzuloggen und danach frisch geballt zur Arbeit zu fahren.

Die 10-Spiele-Marke ist absolviert und schon hat sich Allen Iverson aus Memphis (2-8) verabschiedet. Jamaal Tinsley ersetzt ihn und wir dürfen gespannt sein, wo The Answer nun anheuern wird, die Sixers (4-6) würden wohl nicht ablehnen. Gerüchte auch rund um den Madison Square Garden. Letzter AI-Twitter vom 02.11….

A.I. Hair Chop All Star 2009
Die nächste All Star-Rasur wird warten müssen...

Die Pacers (5-3) glänzen mit einem W5 und sind wider Erwarten auf Playoff-Kurs. Danny Granger und ein Dahntay Jones haben heute nacht den New Jersey Njets einen 0-11-Start verpasst. Schon winkt Slippery When Nets mit dem Minusrekord-Zaunpfahl: 10-63… Die bald benachbarten Knickerbockers dürften sich morgen auch ungern umziehen, bei 1-9 wirkt der Big Apple frühreif angefault. Knicks for Six!
Freitag testen die Cavs mit LBJ23 und Shaq den Status Quo in Indianapolis. LeBron will übrigens seine 23 abgeben zu Ehren von Michael Jordan. Neue Nummer wäre die 6 – nach Geburtstag und -monat seiner Kinder, die Nummer von Dr. J und seine olympische Nummer im Dream Team. Bis 05.03.2010 müsste er sich umentscheiden.

Die Tabelle bestätigt nach der 10 schemenhaft die Erwartungen:
Im Osten kreisen die Hawks mit And 1-Leader Josh Smith (alle 9 Würfe) vor den Heat, Celtics, Cavs und Vize Magic. Im Westen scheinen wieder mal die Suns dank Assist-Legende Steve Nash (11.5 APG) vor den Mavs, Nuggets, Champs Lakers und Blazers.
Gerade läuft Lakers gegen Pistons und Topscorer Kobe Bryant (30.1 PPG) zauberte einen strangen Schulterbackflip vom rechten unteren Brett mit dreifachem Ringtanz. Bei -11:00 im letzten Viertel stolziert der Meister mit 88:66 gegen die Motorstädter trotz ihres neuen Rosters um Ben Gordon und Charlie Villanueva. Da bleibt Zeit im Break für ein Feature über Pau Gasol, der als Schauspieler bei CSI Miami debutierte:

Bank-Laker Shannon Brown erst mit einem gütig übersehenen dreischrittigen One-Hand-Slam, aber den nächsten Drei-Meter-Flug-Dunk blockt Chris Wilcox mit einem coolen Hebearm, daß sogar das Staples Center sportlich stöhnt. Dem viertägigen Roadtrip der Pistons fehlt schon Sprit, die Lakers freuen sich nach L2 auf ein neues W.

Die jüngst in London gastierenden Bulls (7-4) überraschen mit Joakim Noah als besten Rebounder (12.2) vor Raptors-Bosh (11.6), Bobcats-Wallace (11.5) und Gasol-Brüderchen bei Ex-AI Memphis (11.4).
Unter den Fantasy-Werten dominieren die Celtics mit Garnett (6.10), Pierce (5.36) und Dreier-Killer Allen (4.98).
Der Zauberfaktor Effizienz glitzert im Starnebel mit Bosh (29.9), James (29.7), Paul (29.3) und Bynum (27.0) und einem wieder langhaarigen Nowitzki (27.1). Hippies can jump too! In der Nacht von heute auf Donnerstag im Texas-Duell Mavs vs Spurs.

Los Angeles meldet ein 106-93 und einen neuen Rekord: Kobe Bryant schafft sein 100. Spiel mit über 40 Punkten. Nur Wilt Chamberlain und Michael Jordan haben noch mehr. Der wahrscheinlich friedlichste Ego-Shooter unter der Sonne.

Kobe 100 times 40+

Okay, ab zur Arbeit in Deutscheländ, Welt verändern im 7,70-Euro-Teilzeitbürodrehsessel…