
Nach sechs Jahren hat Hagen endlich seinen ollen Bundesliga-Basketball wieder. Eine stolze Stadt pilgerte in Blau-Gelb zur neuen Kultstätte und lachte den Herbstmonsun als Running Gag aus. Um das Fabrikgelände an der Färberstraße hatte das Hagener Publikum früh und geschickt entlang der Straßen geparkt, so daß das große Verkehrschaos im sonst beschaulichen Hohenlimburg ausblieb. „Back for good“ halt, wie es einer der nur drei neuen Schals beschrieb. Injoy wird zum Engjoy für 3035 Fans, trotz geplanter Architektur wird jeder Blick zum Feld ein Köpfemanöver, selbst auf den Sitzplätzen.
Die neue Heimat wurde mit einem überfüllten Heuboden zum Sozialstress. Ganze kartenlose Schulklassen wurden beim Eingang durchgewunken, so daß ein Platz auf den Holzplanken so angenehm wurde wie bei einer Kalbzangengeburt. Zehenspitzensicht, minderjähriges Rumzicken, platzreservierende Rentner und discogeplagte Jungordner erschwerten den neuen Standort, daß der angenehm räumige Phoenix Cup eine schöne Erinnerung bleibt. Hagen als seltene Stadt, in der sich das Publikum aus den Altersgruppen 8-20 und 35-80 generiert – die noch nicht vertriebene Minderheit der flexiblen Lückendemographie wird damit leben müssen (Widersprüche per Mail). Speziell, wenn ab morgen „Hangtime“ in den Kinos (Exklusiv-Bericht von der Cinestar-Premiere folgt) um neue Generationen für den Modesport Basketball wirbt. „Engtime“ wird es in der neuen Halle bleiben.

Diese erste Heimniederlage zur Elite-Rückkehr wirkte direkt nach dem Spiel so, als wären wir an unseren Freiwürfen gescheitert. Wie beim Phoenix Cup muckte der Korb vor dem Heuboden, der einen Antimagneten im Ring haben muss. Aber es lag an den Dreierklöpsen: nur 6 von 23 plumpsten rein. Giessen-Hero Chase Griffin (zwar 18 Punkte) bleibt hinter dem Peripheriebogen ohne Treffer, versenkte keinen seiner 7 Versuche (Saison 0-9), gerade in der Endphase wichtige Kisten zum Dranbleiben. Pryor (1-4) und Grothe (1-3) versuchten mit ihren Fernwürfen, der Gästeführung nicht länger hinterherlaufen zu müssen, nachdem McGee’s Dreier (3-6) bei -08:23 in Q2 ein 25:14 geschossen hatte. Symptomatisch ein wilder Angstdreier – sein einziger in 5 Minuten – von Malte, mit dem er höchstens die Injoy-Deckengerüste getroffen hätte. Wie wär’s an diesen Stellen mit vermissten Einsätzen von 6,25-Serveur Dreesen, der schon in Giessen beim Warm-up souverän von der US-Marke einstreute? So rollte Paderborn mit einem 29:8-Lauf in die Dachkabinen, Pausenbier-Jonglage (hurra, nur noch 2 €) beim Treppenschubsen der Phoenix-Freunde.

Showman beim Intro - beim Dreier-Setplay leider nur BankdrückerDie Freiwurflinie wird auch eine Circuitposition während der kommenden Woche werden, denn nach den 66 % von Giessen (19-29) sank die Trefferquote am Sonntag abend auf nur noch 58 % (25-43), als gelte es, die hiesige Postleitzahl zu vertreten. Aber hey: der landläufige Mediendiss über unsere Freiwürfe widerlegt der BBL-Topfreiwerfer Chase Griffin, ääätsch. Paderborn rumpelte auch nur auf 62 % von den 4,60 m. Kale’s free throws zum 54:53 bei -03:04 in Q3 bewiesen Ringcoolness, mit 56:61 ging’s noch mit Heimsieghoffnung ins Schlußviertel.
Das Halleneinweihungs-Publikum kam erst nach Grothe’s einzigem perfekt getimten 3er bei -08:23 zurück zur berüchtigten Lautstärke. Schadenfreude über die fünf Fouls gegen „Lutscher“ Gerwig (bekannt aus Chemnitz), Simon und Borha und Bernd Kruel storchte sich einen von 4 Offensivrebounds zum 62:61. Paderborn’s Bester Malik Moore #9 konterte für 3, aber wir blieben am Level und wieder wußte Grothe, wann er treffen muß: 71:69 bei -04:39. Aber die Moore-Show dreierte ins Finale beim 73:79. Phoenix kämpfte hart, McGee spiegelte für 3 und Griffin warf linienfrei zum 77:79 bei -01:11. Dort blieb er und dartete 8-11 zum 79:80 bei -00:44. Grothe hatte einen Ball fast sicher unterm Korb, aber Bankspieler Barrett pflückte Offensivernte zum 79:82 bei -00:21. Griffin’s letzter Dreierversuch daneben, Moore holte sich den Defensivrebound, ließ sich foulen und verdarb die Restsekunden einer schussschwachen Heimpremiere: 43 % bei uns, den nicht besseren Gästen genügten ganze 48 %. Die Paderborn Baskets hatten sich beim Phoenix Cup schon mit einer uns ähnlichen Wurfschwäche vorgestellt, ihre Amis Moore (20 P/6 A), Gerwig (18 P/11 R), Langford (13) und Haynes (12) spielten im ersten Saisonspiel ihre Boots down und schaukelten diesen Auswärtsclou mit rund 50 Fans nach Ostwestfalen. Mit einem komplett neuen Team wird’s aber schwer, die Playoffs zu erreichen. Lavelle Felton RIP.

Bei uns JK34 (14 P/11 R), McGee (14 P/5 A – bis auf 3-9 FW) und Griffin (bis auf die Three-Pointer) gesunde Basis um den wahren BBL-Center-Star: Storch’s sagenhafte 17 Rebounds bei 14 Punkten waren neben einem von Grothe’s seltenen Korblegern – wird Mister Hagen den fehlenden Center spielen? – und den klassisch schönen neuen Trikots – blauer Schulterbogen auf strahlendem Gelb – das Beste am ersten Bundesliga-Sonntag seit 2003. Solche Spiele sollten in der BBL nicht mehr verloren werden, für all die harte Aufstiegsarbeit.
„18 Turnover und 58 Prozent Freiwurfquote sind einfach zu schlecht. Knackpunkt war ganz klar das zweite Viertel. Danach haben wir mental nicht zurück ins Spiel gefunden. Wir hätten gewinnen können. Sicher hat die ungewohnte Belastung mit zwei Spielen an einem Wochenende auch ein wenig zum Spielverlauf beigetragen, aber das soll keine Entschuldigung sein.“
(Phoenix Coach Ingo Freyer)
How can one sleep when knowing a „W“ was taken from them?
(Chase Griffin gegen 02:30 Uhr im Facebook)
Zu den BBL Stats bleibt nur zu sagen: die Startprobleme vom Freitag, bei denen Jonathan Kale’s Werte als „nicht eingesetzt“ veröffentlicht wurden, sind passiert und auch schon beim Korbsport registriert. Als Blogger sollte man sich nicht gegen den einen gedienten Elephanten auflehnen, der mit neuen Goldschätzen im Kühlschrank weiterwatschelt. Aber wozu so eine pauschale Statistik der Wurfpositionen gut sein soll, die außer grünen und roten Kreisen (wer is wer?) mit selbstredenden Nummern für die Punktezahl (3 und 2!) nur Rätsel offenlässt? Gibt es keine erschwingliche NBA-Software, die den Wurfpositionen Spielernummern zuweist? Selbst Sportwerk Internet Marketing mit Saisonstartstottern. Statistik@Beko-BBL.de hat Protestmail.
„Tell me why – I don‘t like Mondays…“
Pictures c/o Phoenix Hagen/Jörg Laube

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