Im Netzjargon steht „BBL“ auch für „Be Back Later“. Das könnte zum Projektnamen vor der neuen BBL-Saison werden.
Knapp zwei Wochen vor Tip Off kursieren Mediengerüchte über Fernsehrechte und Ligasponsor, ohne daß die Ligaleitung etwas bestätigen würde. Kurz nach der Eurobasket ähneln die Geschäfte der Basketball-Bundesliga dem Termindruck beim Hagener Hallenumbau. Nur mit dem Unterschied, daß sich BBL-Präsident Braumann noch Dachmarke plus Medien wünschte, als beim improvisierfähigen Aufsteiger aus der DBB-Hauptstadt schon längst eine erstligareife Arena stand.
Den Marketingsessel musste Söhnke Preuß – sein Hauptwerk war der überfällige BBL-Shop – nach drei Jahren im Sommer 2008 für René Beck räumen, im noch besten Spieleralter von 30 Jahren. Der fränkisch-holländische „European Master of Sports Management“ ließ bei jedem BBL-Club einen Marketingchef installieren und holte ESL Sports als BBL-Partner im eSport-Sektor. Dort wird online noch NBA Live 08 gespielt mit Nachfolger NBA Live 10 schon auf dem US-Markt.

Exklusive Bilder vom entscheidenden fünften BBL-Finale nur im Internet. Wegen Serverüberlastung klappte das erst im dritten Viertel und Eurosport – die zunächst nur vier Spiele plante – schaute in die Röhre. Der Sportrechtebesetzer Sportfive blockierte eine sichtbare Alternative.
Ob das „FANsehen“ von Sportdigital TV in der nun dritten Saison als BBL TV die Live-Übertragungen von 100 Spielen, jeweils zwei pro Woche, erhöht, ergeben die Verhandlungen.
Ein an den Premiere-Erben und Pay TV-Multi Sky gekoppeltes Abo – eine 2007 endende Symbiose – wird dem Fußball überlassen.
Hätten wir noch vor Weihnachten einen Wunsch frei, wäre das ein TV-externer, preiswerter Internet-Stream, der wie beim Fußball neben einer Konferenz auch seinen Lieblingsverein sichtbar macht. Also nicht nur Berlin, Oldenburg, Bamberg & Co. sondern auch Phoenix oder Phoenix. Sonst ginge hierzulande die schon beim Fußball steigende Tendenz zum organisierten Rudelkucken bzw. individuellen Piratenstream weiter.

Konkreter sollen dagegen die Verhandlungen mit einem neuen BBL-Hauptsponsor sein. Noch vor dem EM-Finale funkte das Kölner Five Mag einen „Scoop“, den die ebenfalls in der Domstadt residierende BBL nicht kommentiert. Eine Domain www.beko-bbl.de ist aber schon seit 14.09. vom Geschäftsführer Pommer registriert.
Seit der finanziellen wie sportlichen Ablösung vom Deutschen Basketball-Bund 1994 wäre Beko nach Veltins (1992-97) und s‘Oliver (2001-03) der dritte große Geldgeberversuch der Basketball Bundesliga GmbH.
Wer oder was ist „Beko“?
Wikipedia meldet:
„Beko-Mark“ war eine in den 1950er Jahren gebräuchliche Abkürzung für „beschränkt konvertierbare“ Guthaben in der zu der Zeit gültigen westdeutschen D-Mark-Währung. Diese Guthaben wurden von 1954 bis 1958 für Devisenausländer auf Bankkonten in der Bundesrepublik Deutschland geführt.
Beko ist eine Allround-Marke. Meistens „weiße Ware“, also alle Haushaltsgeräte von Bügeleisen bis Kühlschrank, und Elektronikprodukte formerly known as Grundig.
Beko gehört zur türkischen Arçelik Aktiengesellschaft, einem Subunternehmer der Koç Holding Durable Consumer Goods Group.

Kommt nun das Free TV-Geschenk?Koç (übersetzt „Widder“) ist das einzige türkische Unternehmen unter den „Fortune Global 500″, auf Platz 172 der umsatzstärksten Börsenunternehmen. Die holländischen Shell- und die amerikanischen Exxon- Öl-Multis und die in Deutschland gescheiterte WalMart- Megamarktkette führen mit über 400 Millionen Dollar die Aktiengesellschaften an.
Mit etwas über 44000 Millionen Dollar Umsatz liegt Koç damit knapp vor Pepsi Cola. Das ist in der deutschen Größenordnung der Leverkusener Bayer AG und der Frankfurter KfW-Bankengruppe, u.a. den Studiengebührenkreditgebern.
Beko ist ein alter Bekannter auf der Basketballbühne, war das Unternehmen doch Mitsponsor der Eurobasket und schon seit 2006 der Türkischen Basketball-Liga. Ein Vertrag, der aber im nächsten Jahr zur Basketball-WM in der Türkei ausläuft. Bester Ersatz dürfte in Basketball-Deutschland gefunden sein. Hier soll der Marktanteil als eine der vorderen globalen Marken – wenn auch „mit durchschnittlichen Produkten bei aggressiver Preispolitik“ – ausgebaut werden.
Die Zurückhaltung hiesiger Sponsoren, zum Hauptgönner der höchsten Basketballklasse aufzusteigen, muß deutsche Feigheit sein: ganze 39 Unternehmen unter den Top 500 ohne Korbsport-Interesse?



Das Warten auf internationalen Anschluß:
Präsident, Geschäftsführer und MarketingchefEine US-Sportart mit Expansionspotential auf dem europäischen Markt hätte es verdient gehabt, vom notorischen Fußball-Monopol etwas abzubekommen. Es kann nicht nur am Telekom-Veto 2003 gelegen haben, daß die abgeschmetterte Konkurrenz von Vodafone andere Hauptsponsoren über fünf Jahre lang abschreckt hat. Auch nicht am Chefwechsel Reintjes – Pommer 2005.
Bestimmt nicht am „grausamen Basketball“, wie der Neu-Pole Jan Jagla vor der EM befand.
Nachdem schon die letzte Saison fast 10 % Zuschauerzuwachs (im Durchschnitt 3874 Fans) hatte, dürften es nach der eigentlich positiven „Youngster-EM“ noch mehr werden, zumal mit Phoenix Hagen ein weiterer Traditionsmagnet mitspielt.
Aber der Deutsche Sportmarketing Index, flockig DSMI 2009 gab schon die ökonomische Großwetterlage bekannt:
„Für das Krisenjahr 2009 stand zu erwarten, dass sich die positive Entwicklung vergangener Perioden nicht fortsetzen würde. Die Prognosen für die aktuelle Spielzeit schwanken mehrheitlich zwischen Bestandssicherung und leichten Rückgängen, ab der Saison 2010/11 wird wieder mit einer positiven Entwicklung gerechnet“, so Deloitte und ISS. Für die aktuelle Saison erwarte die Mehrheit der Befragten eine Stagnation in Bereichen wie Vermarktung der Medienrechte, Ticketing, Merchandising und Hospitality.
Halten wir es bis dahin mit dem fruchtigen Gründermotto der Muttergesellschaft der Koç AG:
‘If my country exists,
I exist as well’
Eine Existenz, die neben dem Vitamin B-Trio aus Berlin, Bonn und Bamberg (laut Umfragen 50 % aller Fans) mehr Interesse verdient hätte. Vielleicht bringt der neue Sponsor die anderen 15 Teams zurück ins Free TV. Oder die anderen Vereine dürfen Spielvideos auf ihren Homepages präsentieren, wie in der Pro A bei Feuervogel TV.
Das wären wirklich mal „innovative Konzepte und konsequente Kundenorientierung“. Dann stellen wir auch in diesen Beko-Kühlschränken Siegersekt kalt.
„Be Back Later“…
Schöner, leicht pöbeliger Text, der den status quo gekonnt zusammenfasst. Wie groß Beko ist, war bislang an mir vorbeigegangen.
Nur den 50%-Hinweis versteh ich nicht… du verlinkst da ne Leser-Umfrage
. Übrigens war wohl ein Problem vergangener Fernsehverhandlungen, dass die Sender viel lieber das Vitamin-B-Trio zeigen, das Quote bringt. Mal sehen, wie dies in der kommenden Saison wird.